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Geschichte der Turnabteilung - Teil I
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Geschrieben von: Hanne Grasme   


Hier ein Blick auf die Anfänge und die Gründe, die den Verein ins Leben riefen. „Freie“ Turner – der Name gibt einen ersten Hinweis, dass damals, 1896, kein „normaler“ Turnverein gegründet wurde, von denen in Wiesbaden schon mehrere bestanden, „Frei“ bedeutete natürlich nicht, dass die anderen Turnvereine „unfrei“ gewesen wären.

Aber man wollte sich „frei“ machen von bestimmten Traditionen und insbesondere von dem nationalen Mief, der mittlerweile in der ursprünglich eher freiheitlich orientierten Turnbewegung herrschte.

Damals, als Wilhelm II. die Flotte hochrüstete und deutsche Truppen den Hottentotten das deutsche Wesen beibringen wollten, hatte in den Turnvereinen wie in weiten Teilen der Gesellschaft ein Klima nationaler Überheblichkeit Vorherrschaft erlangt, in dem kein Platz war für selbstbewusste Arbeiter.

So steht die Gründung der Wiesbadener „Freien Turner“ auch nicht allein. Überall im Deutschen Reich waren am Turnen interessierte Arbeiter – meist der politischen oder gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung nahe stehend – bemüht, sich einen eigenen Rahmen zu schaffen für ihre sportlichen Aktivitäten. Sie wollten weder wegen ihrer sozialen Stellung noch wegen ihrer politischen Haltung geschnitten werden, wie dies häufig genug in traditionellen Turnvereinen geschah.

Bereits 1893 fand in Gera der erste Turntag des Arbeiterturnbundes mit noch recht bescheidenen Teilnehmerzahlen statt. Aber man versuchte rasch, eine flächendeckende Organisation zu schaffen. In Wiesbaden war die Gründung eines „Arbeiterturnvereins“ gewiss nicht einfach, denn Wiesbaden hatte fast keine Industrie und das Bürgertum hatte in dem „Pensionopolis“ eine beherrschende Stellung.

Trotzdem fanden sich im Frühjahr 1896 im Schwalbacher Hof eine große 3 Gruppe Arbeiter, überwiegend wohl Handwerksgesellen, zusammen und beschlossen eine förmliche Vereinsgründung.

Hier im Saal der Gaststätte traf man sich auch zu den ersten Turnstunden, die jedoch einen gewissen Mangel offenbarten: Der Verein hatte kein einziges Turngerät und auch keine wohlhabenden Sponsoren. So beschränkte man sich auf Freiübungen und Seilspringen. Die ersten Turngeräte, ein Bock und Sprungbretter, fertigten die Mitglieder selber an.

Der Verein hatte starken Zulauf und bereits nach einigen Wochen waren bis zu 80 Turner in sechs Riegen beteiligt. Da brachten selbst die Groschen, die für die Geräte gesammelt wurden, rasch Erfolg. Reck, Barren und Pferd konnten so angeschafft werden.

Nach einigen Differenzen mit dem Wirt des Schwalbacher Hofes wechselten die freien Turner zur Gaststätte „Jägerhaus“ in der Schiersteiner Straße. Auch nach diesem Umzug blieb dem Verein die Polizei mit einer ständigen Überwachung treu. 

Nicht ganz zu Unrecht, als sozialdemokratischer Verein eingeschätzt, sah man in den –Turnern sogar potentielle Umstürzler. Die überwachenden Polizisten konnten in den Turnübungen aber keine revolutionären Taten erkennen und nutzten ihre verordnete Anwesenheit zu dem einen oder anderen Schoppen.

Fast revolutionär mutete hingegen 1905 die Einführung des Frauen- und Mädchenturnens bei den „Freien“ an, Frauen sollten sich möglichst nicht im sportlichen Gewand zeigen. Nach etlichen Zwischenstationen hinsichtlich des Übungsortes gelang den „Freien“ 1912 endlich eine zukunftsweisende Lösung: An der Lahnstraße wurde das Gelände einer ehemaligen Ziegelei erworben – dort, wo heute noch Fußball und Tennis gespielt wird – und angespornt von großen Idealismus in Eigenhilfe in einen Sportplatz verwandelt.


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